Nachhaltige Lieferkette: Zertifikate, Standards & Siegel

Einführung

Nachhaltigkeit in der eigenen Lieferkette konkret umzusetzen, klingt zunächst nach einem riesigen Projekt, ist aber machbar, wenn man den richtigen Einstieg und Überblick über Standards, Zertifikate und Siegel hat. Jede gut gestellte Frage bringt dabei weiter. Mit aussagekräftigen Nachweisen, klaren Bewertungsfragen und dank einiger Listen anerkannter und klar beschriebener Zertifikate, Standards und Siegel in der Lieferkette lässt sich die Unsicherheit lichten, die viele Unternehmen noch zögern lässt. Dieser Beitrag gibt dir eine erste Übersicht zu gängigen Zertifikaten, Standards und Siegeln und bietet dank hilfreicher Fragen aus der Green Claims Richtlinie eine konkret anwendbare Methodik.

Welche Arten von Zertifikaten, Standards & Siegel gibt es?

In der Praxis lassen sich Nachhaltigkeitsnachweise grob in drei Kategorien einteilen: Produktsiegel, Unternehmens- bzw. Managementzertifizierungen und branchenspezifische Standards. Produktsiegel wie etwa Umwelt- oder Soziallabels beziehen sich meist auf einzelne Waren oder Materialgruppen, während Managementstandards (z.B. Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement) Prozesse, Strukturen und Zuständigkeiten im gesamten Unternehmen adressieren.

Daneben gibt es sektor- und themenspezifische Standards, etwa für bestimmte Rohstoffe, Branchen oder Lieferkettenstufen. Für KMU lohnt sich der Blick darauf, welche Siegel und Zertifikate in der eigenen Branche bereits etabliert sind und von Kund:innen, Verbänden oder öffentlichen Auftraggebern aktiv nachgefragt werden.

Im ausführlichen Beitrag findest du eine Übersicht der gängigen Siegel, Standards und Zertifikaten inkl. einer Einordung: https://sarahnock.de/nachhaltigkeit-lieferkette-kmu-zertifikate-siegel/.

Die Green Claims-Methode: Fragen, die den Unterschied machen

Die Green Claims Richtlinie der EU soll konkrete Hilfestellungen leisten, um Greenwashing zu erkennen. Sie bietet darüber hinaus gute, simple Methodiken, die es erlauben, Aussagen zu überprüfen und echte Nachweise zu beschaffen – ganz nach dem Motto: kein „Umweltfreundlich“ oder „Klimafreundlich“-Label ohne Beleg!

Typische Bewertungsfragen, die dir helfen, einen Lieferanten und seine Aussagen einzuordnen:

  • Ist die Aussage konkret, wahr und nicht irreführend?
  • Gibt es wissenschaftliche, unabhängige (substantiierte) Nachweise?
  • Ist die Kommunikation produktnah, verständlich und leicht zugänglich?

Greenwashing in der Lieferkette: Typische Anzeichen erkennen

Gleichzeitig lassen sich typische Greenwashing-Anzeichen wie folgt gut erkennen:

  • Vage Aussagen, die sich nicht belegen lassen (z.B. „Wir sparen Wasser“ ohne konkrete messbare Kennzahlen, wieviel und in welchem Zeitraum durch welche Maßnahmen gezielt eingespart wurde).
  • Einzelne Leuchtturm-Produkte statt transparenter Lieferkette (z.B. Projekte in fernen Ländern, die im Kern nichts mit dem Unternehmenszweck und den Produkt- & Dienstleistungsprozessen zu tun haben).
  • Unbekannte, unternehmenseigene Siegel (keine unabhängige Prüfstelle).
  • Keine Offenlegung von Lieferanten oder Produktionsbedingungen.

Glaubwürdige Nachhaltigkeitssiegel zeichnen sich durch transparente Kriterien, klar definierte Geltungsbereiche und unabhängige Prüfstellen aus. Unternehmen sollten prüfen, ob der Standard öffentlich zugängliche Anforderungen, nachvollziehbare Prüfprozesse und regelmäßige Überwachung vorsieht und ob die ausstellenden Organisationen seriös und anerkannt sind.

Misstrauisch machen sollten dagegen sehr allgemeine Aussagen („umweltfreundlich“, „klimaneutral“) ohne konkrete Erläuterung, unternehmensinterne Eigenlabels ohne externe Kontrolle oder Siegel, zu denen sich kaum Informationen zu Kriterien und Prüfungen finden lassen. Ein kurzer Hintergrundcheck spart hier später viel Aufwand – sowohl in der Kommunikation als auch bei möglichen Rückfragen von Stakeholdern.

So gehst du in der Praxis vor – Erste Schritte:

Status Quo analysieren / Tabelle erstellen

Maßnahme: Erfasse systematisch, welche Zertifikate, Siegel und Standards bereits bei deinen wichtigsten Lieferanten vorhanden sind. Dokumentiere dabei Gültigkeitszeiträume, Prüfinstanzen und Anwendungsbereiche (z.B. Produkt, Standort, Unternehmen)

Eigene Strategie entwickeln: wesentliche Themen und Anforderungen klären

Maßnahme: Lege fest, welche Nachhaltigkeitsthemen (z.B. Klima, Ressourcen, Menschenrechte, Arbeitssicherheit) für deine Lieferkette besonders relevant sind und welche Anforderungen Kund:innen, Branchenverbände oder öffentliche Auftraggeber stellen. Nutze diese Analyse, um zu entscheiden, in welchen Bereichen Zertifikate und Siegel tatsächlich Mehrwert bringen.

Green Claims Fragen stellen & Aussagen sauber belegen und kommunizieren

Maßnahme: „Was macht die Lieferkette tatsächlich nachhaltiger?“. Hinterlege alle Nachhaltigkeitsaussagen in deiner Kommunikation mit klaren Nachweisen, z.B. Zertifikaten, Auditberichten oder messbaren Kennzahlen. Vermeide vage Begriffe ohne Erklärung und mache in der externen Kommunikation transparent, worauf sich Siegel und Zertifikate genau beziehen.

Fazit

Zertifikate, Siegel und andere Nachweise sind ein wichtiges Werkzeug, um Nachhaltigkeit in der Lieferkette sichtbar und überprüfbar zu machen – gerade für KMU. Entscheidend ist, sie gezielt auszuwählen, transparent zu nutzen und mit glaubwürdigen Green Claims zu verknüpfen, statt auf eine unübersichtliche Logo-Sammlung zu setzen.

Wer heute beginnt, Struktur in den „Siegel-Dschungel“ seiner Lieferkette zu bringen, legt die Basis für mehr Transparenz, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit in der eigenen Lieferkette und Kommunikation.

Im ausführlichen Beitrag findest du eine Übersicht der gängigen Siegel, Standards und Zertifikaten inkl. einer Einordung: https://sarahnock.de/nachhaltigkeit-lieferkette-kmu-zertifikate-siegel.

Autorin

Sarah Nock – Coach & Unternehmerin
www.sarahnock.de

Blogserie „Nachhaltigkeit leicht gemacht: Praktische Tipps für Unternehmer“

In der Blogserie „Nachhaltigkeit leicht gemacht“ gibt es praxisorientierte Tipps und Strategien, um nachhaltige Maßnahmen erfolgreich im Unternehmen umzusetzen. Jeder Beitrag bietet leicht verständliche Anleitungen, konkrete Beispiele und hilfreiche Vorlagen, die nicht nur dabei helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sondern auch die gesetzlichen Berichtspflichten effizient zu erfüllen und gleichzeitig die Unternehmenskultur zu stärken.

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