Zwischen Designstudio, Druckerei und Skipiste: Unternehmensbesuche zeigen, was Friedrichshain-Kreuzberg wirtschaftlich ausmacht
Eine riesige Handtasche als Messeobjekt, Ski-Expert*innen mit eigener Werkstatt und ein Berliner IT-Unternehmen, das digitale Lösungen für Ministerien entwickelt: Die gemeinsamen Unternehmensbesuche von Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann, FKU und Wirtschaftsförderung führten im Frühjahr 2026 erneut mitten hinein in die wirtschaftliche Realität von Friedrichshain-Kreuzberg. Die Gespräche machten sichtbar, dass die Unternehmen im Bezirk zwar sehr unterschiedlich arbeiten, gleichzeitig aber mit denselben Herausforderungen kämpfen: Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und die Frage, wie ihre Geschäftsmodelle langfristig tragfähig bleiben.
Digitale Lösungen aus Friedrichshain
Bei der ]init[ AG für digitale Kommunikation in der Mühlenstraße ging es um die Frage, wie Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen digitaler werden können. Dabei zeigte sich, wie stark spezialisierte Berliner Unternehmen inzwischen bundesweite Transformationsprozesse mitgestalten. Das Unternehmen entwickelt seit 1995 digitale Plattformen und Anwendungen für Ministerien, Behörden und große Organisationen. Heute arbeiten rund 1.400 Mitarbeitende an mehreren Standorten in Deutschland und Europa für das Unternehmen.

Wie sich Traditionsunternehmen neu aufstellen
Ganz andere Einblicke bot Spreedruck in Kreuzberg. Das Unternehmen verbindet klassische Drucktechniken mit modernen Digitalverfahren, Veredelung und individueller Beratung. Durch die Erweiterung um zusätzliche Spezialdruck- und Digitaldruckbereiche hat sich Spreedruck zuletzt breiter aufgestellt.
Im Gespräch mit den Geschäftsführern ging es auch um die Frage, wie sich ein produzierendes Unternehmen im innerstädtischen Raum behauptet. Kurze Wege, direkte Kundenkontakte und schnelle Lösungen spielen dabei eine zentrale Rolle.
Wie sich Kreativität immer wieder wandelnden Rahmenbedingungen anpassen muss, zeigt der Besuch von Liebeskind Berlin. Im Headquarter am Osthafen entwickelt das Team neue Kollektionen, testet Materialien und arbeitet an langlebigen Produkten mit hohem Qualitätsanspruch. Gleichzeitig verändern sich Konsumverhalten und Marktbedingungen spürbar.

Spezialisiert statt beliebig
Seit fast vier Jahrzehnten behauptet sich „Der Berg Ruft – Boarderline“ als feste Größe im Berliner Outdoor- und Wintersportbereich. In der Schlesischen Straße verkauft das Team mit viel Know-how Sportartikel – die Mitarbeitenden testen die Produkte selbst, beraten mit viel Fachwissen und reparieren Ausrüstung direkt vor Ort.
Der Austausch zeigt, wie stark sich die Branche verändert hat. Kürzere Wintersaisons, hohe Reisekosten und veränderte Freizeitgewohnheiten wirken sich längst auf das Geschäft aus. Trotzdem bleibt der Laden erfolgreich, weil er etwas bietet, das online kaum ersetzbar ist: Erfahrung, persönliche Beratung und Spezialisierung.
Wirtschaftsalltag im Bezirk
Für den FKU sind die Unternehmensbesuche vor allem eines: direkte Einblicke in den Wirtschaftsalltag des Bezirks. Gespräche vor Ort zeigen oft genauer als jede Statistik, wo Unternehmen unter Druck geraten, welche Themen sie beschäftigen und welche Rahmenbedingungen sie brauchen.
Gleichzeitig bringen die Besuche Verwaltung und Unternehmen miteinander ins Gespräch. Gerade in einem Bezirk mit so unterschiedlichen Branchen entsteht daraus ein wichtiger Austausch – zwischen Kreativwirtschaft, Handwerk, Einzelhandel, Produktion und Digitalwirtschaft. Genau diese Mischung macht Friedrichshain-Kreuzberg als Wirtschaftsstandort aus.



