Waren Sie schon einmal in einem Übergabeprozess?

Entweder als Übergeber:in oder als Übernehmer:in? Dann kennen Sie diese Frage: Habe ich wirklich alle relevanten Informationen weitergegeben – oder erhalten?

In den meisten Fällen gehen ein paar Dinge verloren. Und gerade Partnerschaften, die jahrelang sehr erfolgreich laufen, werden plötzlich nicht weitergeführt. Das hat meist nichts mit mangelnder Wertschätzung oder der Qualität des Angebots zu tun. Nein – vielmehr geht es darum, Nachfolger*innen frühzeitig in operative Prozesse einzubinden, sie für bestehende Kooperationen zu begeistern und die handelnden Personen kennenzulernen.

In meiner Arbeit betrifft das viele Bereiche. Ob Kooperationen mit unseren Initiativen zur Fachkräftesicherung oder Mitgliedschaften im FKU: Sobald uns ein liebgewonnener Partner verlässt, heißt es schnell zu sein. Es gilt, zeitnah an die Nachfolgenden heranzukommen und sie für das bestehende Angebot zu begeistern. Gelingt uns das nicht oder erfahren wir zu spät von der Veränderung, verlieren wir diese Kooperation erst einmal – wenn auch nicht zwangsläufig für immer.

An dieser Stelle sei gesagt: Das ist völlig normal. Neue Menschen bringen ihre eigenen Netzwerke mit, haben eigene Ideen, wie sie ihre Position gestalten wollen, oder wissen aufgrund einer kurzen Übergabezeit schlicht nichts von bestehenden Kooperationen.

Was also tun? Mein Praxistipp:

  • Binden Sie frühzeitig Mitarbeitende ein, die für eine mögliche Nachfolge oder Weiterführung infrage kommen.
  • Geben Sie Ihrer Nachfolger*in die Gelegenheit, die wichtigsten Personen aus Ihrem Partnernetzwerk und aus aktiven Projekten kennenzulernen.
  • Informieren Sie Ihre Kontakte so früh wie möglich über anstehende Veränderungen.
  • Seien Sie offen für Anpassungen in der Zusammenarbeit – auch Veränderung gehört zu Übergabe und Fortführung.
  • Und ganz wichtig: Lassen Sie los. Wenn Sie sich aktiv für eine Übergabe entscheiden, dann geben Sie Verantwortung wirklich ab. Seien Sie Mentor:in und Berater:in – aber halten Sie sich aus der neuen Zusammenarbeit heraus.

Früh dran zu sein hilft. Aus meiner Erfahrung der letzten Jahre sind es besonders die Kooperationen, die im ersten halben Jahr nach Neubesetzung einer Position entstehen, die langfristig fruchtbar sind. Ohne es bewusst zu merken, helfen uns diese frühen Kontakte, gut in der neuen Rolle anzukommen. Sie schaffen Verbundenheit und Vertrauen.

Auch bei mir ist das so. Die Kontakte, die ich vor mittlerweile sieben Jahren kennen und schätzen gelernt habe, tragen bis heute. Natürlich heißt das nicht, dass neue Verbindungen und Projekte ausgeschlossen sind. Aber es wird anspruchsvoller. Jeder von uns hat nur eine begrenzte Anzahl enger Kontakte. LinkedIn oder Instagram suggerieren zwar etwas anderes – aber Sie glauben doch nicht, dass ich alle meine Kontakte wirklich kenne oder weiß, was jede einzelne Person beruflich genau macht.

Deshalb mein Appell: Pflegen Sie Ihre Netzwerke und Kooperationspartner – gerade im Übergabeprozess. Geben Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin die Möglichkeit, erfolgreiche Kooperationen kennenzulernen, sie zu reflektieren und weiterzuführen.

Denn gute Übergaben sind kein Verwaltungsakt. Sie sind eine Investition in langfristigen wirtschaftlichen Erfolg, in gesicherte Arbeitsplätze – und in viele gute gemeinsame Momente mit starken Partner*innen.

So wie ich sie mit Ihnen erleben darf.

Der Autor

Martin Knauft ist Mitarbeiter in der FK-Geschäftsstelle und Koordinator des Regionalen Fachkräfte-Bündnis Friedrichshain Kreuzberg

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