Rückschau: Emotionen – die Blackbox in der Unternehmensnachfolge

Die Unternehmensnachfolge ist eine der anspruchsvollsten Phasen für Unternehmerinnen und Unternehmer. Verträge, Bewertungen und steuerliche Fragen lassen sich klären. Schwieriger sind die persönlichen Fragen, die eine Übergabe begleiten.

Gemeinsam mit dem dem Zukunftszentrum Berlin und dem Regionalen Fachkräfte-Bündnis haben wir das Thema auf die Bühne gebracht – als bewusstes Kooperationsformat, das Praxisberichte, Fachperspektive und unternehmerischen Austausch zusammengeführt hat.

Helene Anders, Vorstandsmitglied des FKU begrüßte im Michelberger Hotel gemeinsam mit Leonie von Ungern-Sternberg, Zukunftszentrum Berlin, rund 30 Unternehmer:innen und Wirtschaftsakteure aus der Region.

Johanna Bohm (Algonet Objekteinrichtungen GmbH) und Björn Schlesiger (Björn Schlesiger Akustik- & Trockenbaugesellschaft mbH) berichteten von ihren konkreten Erfahrungen im Übergabeprozess.

Wenn Verantwortung den Besitzer wechselt

Johanna Bohm übernahm die Geschäftsführung aus dem bestehenden Team heraus. Sie schilderte, wie Verantwortung über einen längeren Zeitraum übertragen wurde, welche Abstimmungen notwendig waren und wie wichtig klare Zuständigkeiten sind. Ihr Beispiel zeigt: Eine interne Nachfolge braucht Zeit, Transparenz und gezielte Entwicklung.

Björn Schlesiger sprach über die persönliche Seite der Übergabe. Der Rückzug aus der operativen Verantwortung verändert den eigenen Alltag und die Rolle im Unternehmen grundlegend. Fragen nach Einfluss, Tempo und Entscheidungsbefugnissen müssen geklärt werden – auch dann, wenn die formalen Schritte bereits feststehen.

Timur Türel Sastimdur von der Nachfolgezentrale Berlin ordnete die Praxisberichte ein. Er machte deutlich, dass strukturierte Vorbereitung und externe Begleitung helfen, Gespräche zu führen, Erwartungen abzugleichen und Konflikte zu vermeiden.

Was Übergaben scheitern lässt – und was sie trägt

In der Diskussion mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass viele Betriebe frühzeitig an rechtliche und steuerliche Aspekte denken, persönliche Fragen jedoch häufig später behandeln. Gerade hier entstehen Unsicherheiten.

Aus dem Austausch lassen sich drei praktische Schlussfolgerungen ziehen:

  • Früh beginnen: Nachfolge sollte mehrere Jahre im Voraus geplant werden.
  • Interne Optionen prüfen: Mitarbeitende können eine realistische Nachfolgeperspektive sein, wenn sie rechtzeitig eingebunden werden.
  • Beratung nutzen: Externe Begleitung schafft Struktur und entlastet in sensiblen Phasen.

Beim anschließenden Austausch wurde intensiv weiterdiskutiert. Nachfolge betrifft viele Betriebe im Bezirk – unabhängig von Branche oder Größe.

Eine gut vorbereitete Übergabe sichert Kontinuität, Arbeitsplätze und unternehmerische Substanz. Deshalb bleibt das Thema für uns als Wirtschaftsnetzwerk relevant.

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