65.000 Euro für einen Azubi – warum sich Ausbildung für Unternehmen trotzdem lohnt

Impuls von Thomas Haun, Geschäftsführer der Haun Heizung & Sanitär GmbH und Lehrlingswart der SHK-Innung.

65.000 Euro. So viel investieren wir in unserem Betrieb über drei Jahre in die Ausbildung einer Nachwuchskraft. Eine erhebliche Summe, gerade für ein kleineres Unternehmen. Warum wir trotzdem ausbilden? Weil wir uns eine andere Frage stellen: Was kostet es uns langfristig, wenn wir es nicht tun?

Fachkräfte einstellen oder selbst ausbilden?

Als Unternehmer könnte ich mich dafür entscheiden, ausschließlich fertig ausgebildete Fachkräfte einzustellen. Mit Stundenlöhnen von 35 bis 40 Euro ließen sich möglicherweise zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen. Doch diese Strategie hat ihre Grenzen: Qualifizierte Fachkräfte sind knapp. Und selbst wenn die Einstellung gelingt, müssen neue Beschäftigte unsere betrieblichen Abläufe, unsere Kunden und unsere Arbeitsweise erst kennenlernen.

Wer selbst ausbildet, geht einen anderen Weg. Wir entwickeln Nachwuchskräfte, die von Anfang an in unseren Betrieb hineinwachsen, unsere Anforderungen kennenlernen und sich fachlich mit dem Unternehmen weiterentwickeln können. Das macht Ausbildung für mich zu einer strategischen Investition. Sie kostet heute Geld und Zeit, kann aber dazu beitragen, den eigenen Fachkräftebedarf langfristig zu sichern.

Auch nicht auszubilden birgt Risiken. Gerade kleinere Unternehmen müssen genau überlegen, wofür sie ihre begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen einsetzen. Ausbildung bedeutet schließlich weit mehr, als eine Ausbildungsvergütung zu zahlen. Erfahrene Mitarbeiter müssen ihr Wissen weitergeben, Arbeitsschritte erklären, Fehler korrigieren und junge Menschen begleiten. Gleichzeitig muss der Betrieb seine Aufträge erfüllen und wirtschaftlich arbeiten.

Diese Belastung darf man nicht unterschätzen. Aber die Alternative ist ebenfalls mit Risiken verbunden: Wer seinen Nachwuchs nicht selbst entwickelt, bleibt darauf angewiesen, dass andere Unternehmen ausreichend Fachkräfte ausbilden und diese später auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind.

Deshalb betrachte ich die Kosten einer Ausbildung nicht isoliert. Entscheidend ist, welche Bedeutung qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zukunft unseres Unternehmens haben.

Wann ist Ausbildung eine sinnvolle Investition?

Aus meiner Sicht kommt es vor allem darauf an, dass Ausbildung und betriebliche Realität zusammenpassen.

Ein kleiner Handwerksbetrieb kann nicht dieselben Betreuungsstrukturen bieten wie ein Großunternehmen. Deshalb müssen die Erwartungen auf beiden Seiten von Anfang an klar sein. Auszubildende brauchen Orientierung, fachliche Anleitung und die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Gleichzeitig müssen sie verstehen, dass Ausbildung Engagement, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zum Lernen voraussetzt.

Auch die Auswahl der Nachwuchskräfte spielt eine wichtige Rolle. Nicht jeder junge Mensch passt zu jedem Betrieb. Je besser die persönlichen Voraussetzungen und die betrieblichen Anforderungen zusammenpassen, desto tragfähiger ist die Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildung.

Hier wollen wir als SHK-Innung künftig stärker unterstützen und den Betrieben bereits im kommenden Frühjahr zusätzliche Hilfen bei der Auswahl geeigneter Auszubildender anbieten.

Warum ich gerade im Handwerk große Chancen sehe

Der technische Wandel eröffnet unserem Nachwuchs berufliche Perspektiven, die aus meiner Sicht häufig unterschätzt werden.

Die Energiewende, der Klimawandel und die Modernisierung unserer Gebäude stellen uns vor große Aufgaben. Heizungs-, Sanitär- und Energiesysteme müssen installiert, gewartet, repariert und an neue Anforderungen angepasst werden.

Künstliche Intelligenz wird uns bei diesen Aufgaben unterstützen können. Doch die praktische Arbeit vor Ort, das Verständnis komplexer Anlagen und die Verantwortung für funktionierende Technik lassen sich auf absehbare Zeit nicht vollständig ersetzen.

Wer heute eine fundierte Ausbildung absolviert, sich kontinuierlich weiterentwickelt und sein Fach wirklich beherrscht, kann zu einer gefragten Spezialistin oder einem gefragten Spezialisten werden.

Dazu gehört auch, dass wir den Wert beruflicher Bildung wieder stärker sichtbar machen. Eine handwerkliche Laufbahn kann fachlich anspruchsvoll sein und gute wirtschaftliche Perspektiven eröffnen – auch ohne akademischen Abschluss.

Mein Fazit als Unternehmer

65.000 Euro für die Ausbildung einer Nachwuchskraft sind viel Geld. Eine Garantie, dass sich diese Investition für jeden Betrieb rechnet, gibt es nicht. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle.

Wer über Ausbildung nachdenkt, sollte deshalb nicht nur die unmittelbaren Kosten betrachten, sondern auch die eigene Personalstrategie hinterfragen: Welche Fachkräfte benötigen wir künftig? Können wir diese am Arbeitsmarkt gewinnen? Und welche Möglichkeiten haben wir, Menschen im eigenen Unternehmen zu qualifizieren und langfristig zu binden?

Für unseren Betrieb ist die Antwort klar: Wir bilden aus, weil wir auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte brauchen, die unsere Arbeit verstehen und unsere Qualität sichern.

Ausbildung kostet Geld. Auf die Entwicklung eigener Fachkräfte zu verzichten, kann langfristig aber das größere unternehmerische Risiko sein.

WordPress Cookie-Hinweis von Real Cookie Banner